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Waldbrief digital - Rucksack so real - Dusse im Wald nur genial!

Erfrischend anders…

Liebe Leser und Leserinnen!

Herzlich Willkommen in unserem Infothek Waldkinder Blog! Wir werden gefragt, ob wir nicht auch Inhalte in einem Blog zur Verfügung stellen können, damit ihr das mit Gleichgesinnten teilen dürft.

Klar können wir das! Wir machen es auch!

Es gibt Highlights aus den Waldbriefen und viel Neues aus der Welt der Naturpädagogik , die darauf warten von euch gelesen zu werden. Dafür gibt es ab sofort unseren Blog.

Rückmeldungen an info@infothek-waldkinder.org

Das Unsichtbare sichtbar machen

  • Die drei fatalen Fehler, die du als Naturpädagoge machen kannst

  • Naturpädagogen sind Künstler im Wald

  • Herzblut ist der Auslöser für die Arbeit in der Natur

„Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen“, nach den Worten von Jonathan Swift, sah Christoph Lang vor zwanzig Jahren mit seiner Vision etwas unsichtbares, dass er sichtbar machte in dem er eine Brücke zur Natur für andere erschaffen hat.

Das war seine Vision. Die Idee wurde konkret und nahm Formen an.

Dabei gab es drei fatale Fehler, die es zu vermeiden galt:

  • Den ersten Fehler, den du machen kannst, wenn du mit Kindern und Menschen im Wald bist. Es geht auf keinen Fall darum mit den Kindern ein Ergebnis im Wald zu erreichen, sondern es geht um das Erlebnis. Das Kind soll am Ende vom Waldtag nicht 5 verschiedene Bäume aufzählen können und sie im Detail kennen. Sondern das Kind hat verstanden wie sich Bäume anfühlen. Dieses Gefühl verankert sich und bleibt als Erinnerung gespeichert. Damit das Kind dieses Erlebnis auch erleben kann, braucht es Zeit.
  • Der zweite Fehler in den du tappen kannst. Gib dem Kind die Zeit, damit es seinem eigenen Tempo bestimmen kann. Raus aus dem Container rein in den Raum ohne Dach und Wände. Gestalte den Rahmen vom Waldtag, so dass Zeit ist zum Erleben. Sonst bleibt nicht die Wirkung haften, die dem Kinde zusteht. Das Kind soll kreativ inspiriert werden mit dem was der Wald bietet. Es braucht Zeit die Wahrnehmung zu spüren.
  • Wir verraten euch auch den dritten Fehler den ihr machen könnt. Bleib authentisch im Umgang mit der Natur. Schule deine Aufmerksamkeit und gib sie authentisch mit Impulsen an deine Menschen mit denen du im Wald arbeitest weiter. Nicht Aufmerksamkeit schulen, sondern Impulse zur Nachahmung vorleben.

Wieso authentisch? Was steckt dahinter?

Ein „SELBST“ werden, ist der Drang aller wesenlosen Seelen und dieses tiefste Gefühl gilt es zu stillen, wenn ihr in der Natur mit Menschen unterwegs seid. Natur ist ein wundervolles Chaos, es sind die Formen der Natur, die aufgespürt und auswendig gelernt werden, damit sie wie Noten in einem Musikstück zu einem Dialog zwischen den Kindern und Erwachsenen vermittelt werden können. Wir, Naturpädagogen, sind Künstler im Wald. Wir wollen begeistern, Neugierde wecken, konzentriert wahrnehmen und die Erfahrung mit anderen teilen. Wir wollen das Unsichtbare sichtbar machen!

Dazu gilt es das unsichtbare Muster, das uns in der Natur umgibt, energetisch aufzunehmen und zu verinnerlichen. Einfach gedankenlos Naturerscheinungen nachahmen. An einem Beispiel erklärt, „Was heisst es als Maulwurf unter der Erde zu leben?“ Welche Gefühl, dass du als Naturpädagoge dabei spürst, deine eigene Freude und dein Leid – was löst es aus? Bringe deine persönliche Veränderung zum Ausdruck, indem du die Augen schliesst. Denn als Maulwurf ist es erstmal nur dunkel und eng um dich herum. Verbindet die Augen eines Kindes und lass es als einen Maulwurf innerhalb vom Kreis sein, so dass er sich vorsichtig ertastend bewegen kann. Probiere den Kreis enger und weiter zu gestalten. Mach das Gefühl sichtbar und lass es nachspüren, im Dunkeln und in der Enge zu leben. Lieb die Natur von ganzem Herzen und du wirst als Künstler neue ungeahnte Dinge in der Natur aufspüren. Denn so verrückt es auch klingt – Kunst ist nichts anderes als vollendete Natur“, sagt Christoph Lang.

Lass die Menschen, mit denen du in der Natur bist, vom Haar- bis zur Zehenspitze nachspüren, was es heisst in einem Erdloch, eng aneinander gekuschelt, wie die Kaninchen in ihrem Bau, beisammen zu liegen. Nimm sie mit auf die Reise, „Draussen ist es kalt und es schneit dicke Flocken, die Sorge ein Fuchs könnte sie aufspüren und die Geborgenheit, die sie in der Gruppe schützt…“, erzähle die Geschichte von der Freude und dem Leid eine Kaninchens – was spürt ihr?

Was machst du sichtbar?

Wir gehen mal von der Situation aus, du stehst mit einer Gruppe von Erwachsenen im Wald. Sie haben „Einen Tag Naturerlebnis“ bei dir gebucht. Stell die Frage an deine Gruppe, „Was seht ihr, von dem Platz aus, wo ihr gerade steht?“ Was werden sie dir antworten? Bäume. Das Aufzählen von Baumarten, wie Buche, Tanne, Eiche? Jetzt ist der Künstler in dir gefragt, nicht das Sichtbare wiederzugeben, sondern sichtbar machen.

Konzentriere ihre Aufmerksamkeit und lass sie die Bewegungen eines Baumes nachspüren. Steht der Baum tatsächlich starr und bewegungslos da? Wiegt er sich nicht sanft im Wind? Knarzen und ächzen nicht die Äste? Rascheln die Blätter sanft im Wind? Beobachte! Steht auch nicht jeder Baum anders da? Die schlanke Pappel, die spitze Tanne, der runde Ahorn, die hängende Trauerweide und die dicke Eiche? Lass sie über Umwege ein neues Bild vom Wald wahrnehmen. Erkläre die Wirkung dieser unsichtbaren Kräfte, die euch umgeben. Tonnenschwere Kräfte, die auf der Erde stehen und mit Leichtigkeit uns umgeben. Lass sie eintauchen in diese ursprüngliche Welt. Fang sie mit diesem unantastbaren Zauber ein, der euch einfängt, wenn ihr im Wechselspiel der Jahreszeiten den Baum nachspürt und sie zu ihren persönlichen Wurzeln zurückführt. Jetzt ist die Sensibilisierung wach, um Gefühle aufzusaugen, jetzt sind sie bereit, neue ungeahnte Dinge aus der Natur, nachzuempfinden und wahrzunehmen.

Aus Ergebnis wird ein Erlebnis

Um jetzt tiefer in dieses Kunstwerk einzusteigen, bildet Paare und ein Partner verbindet sich die Augen. Damit lasst ihr unsichtbare Bewegungen sichtbar machen. Führt den Partner mit den verbundenen Augen an den Stamm eines Baumes. Lass ihn die Oberfläche spüren. Was spüren sie? Die harte raue Oberfläche, mit tiefen Furchen einer Eiche? Die glatte Rinde der Buche? Die weiche, empfindliche Schale der Birke? Ist es nicht so, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als man sehen kann? Nach diesen Erfahrungen frage am Schluss des Tages nochmal, „Was siehst du?“ Aus der Ergebnisantwort, 5 Buchen, 3 grosse Eichen, 6 grüne Tannen – wird eine Erlebnisantwort, die ein neues Verständnis für die Natur bei den Menschen geschaffen hat.

Die Natur wird begreifbar und sie werden in die Geheimnisse der Natur mitgenommen. Ein neues Gefühl, dass sich bei ihnen verankert. Diese unsichtbaren Kräfte, geformt aus Fäden und Muster bleiben uns verschlossen, wir sind gehetzt und gestresst und haben vergessen, auf uns selbst zu hören. Du, als Naturpädagoge – als Künstler – schenkst ihnen Momente, sie mit all ihren Sinnen wahrzunehmen. Sinne, denen die Gefahr droht abzustumpfen und die Brücke zur Natur völlig abbricht.

Das Eintauchen in die Natur macht ökologische Zusammenhänge begreifbar. Wenn Kinder, die uns in den Wald begleiten, nachempfinden können, wie es sich anfühlt, als Regenwurm, bei Regen aus dem Loch zu kriechen, betrachten sie beim nächsten Mal, dieses Ereignis mit anderen Augen. Sie beobachten konzentriert. Ihre wache Aufmerksamkeit zentriert sich einzig diesem Vorgang. Sie beobachten, wie er sich galant windet und schnell und zielsicher in der Erde wieder versteckt. Wie er mit seiner glatten Haut geschmeidig, ohne dass die Erde kleben bleibt, in seinem Erdloch verschwindet.

Sich so vor seinen Feinden, vielleicht einer Amsel, die bereits arglistig auf dem Ast sitzt, sich unsichtbar verbirgt.

Das Tempo einer Schnecke – hast du dich schon einmal einen Tag lang im Schneckentempo bewegt? Dieses Erlebnis hat in unserer heutigen Zeit mehr Relevanz denn je. Zeit – schenke Zeit, denn sie ist ein Element.

Die Reise ins Herz der Natur

Lass die Menschen, mit denen du in der Natur unterwegs bist, teilhaben an der Reise ins Herz der Natur. Teile deine Freude und Leid. Lern sie zu verstehen, was du als Künstler in der Natur, als Naturpädagoge, sichtbar machen willst. Dein Kunstwerk, wird sich tief bei deinen Betrachtern, Zuhörer, Teilnehmern, Zuschauern, Kinder und Erwachsenen verankern. Diese wertvollen Anker können im Laufe der Entwicklung entscheidende Auslöser sein, um ihre eigenen neuen Visionen für andere sichtbar machen.

Inspiration sucht man nicht, man findet sie

Um nochmal zu unserem Anfang zurückzurudern, vermeide die drei fatalen Fehler, die wir zu anfangs aufgezählt haben. Hinterfrage mit welcher Berufung, wir als Naturpädagogen, unsere tägliche Arbeit mit Menschen in der Natur, erfüllen wollen. Und wie jeder andere Künstler, benutzen auch wir, kleine und grosse Hilfsmittel, die wir für unser natürliches Handwerk brauchen. Beim Maler ist es der Pinsel, beim Bildhauer der Hammer und beim Musiker die Gitarre. Bei uns ist es der Zwerg, der aus der Seite des Rucksacks rausschaut und spannende Geschichte erzählt. Das Stück Birkenrinde, um aus kleinen Funken ein grosses Feuer zu entzünden. Ein Vers, der uns im Kreis hopsen und springen lässt. Ein Zapfen der zu einem Troll werden kann. Eine Flöte, die in sanften Tönen, die Musik des Waldes wiedergibt.

Es ist eine dreidimensionale Herausforderung mit welchem Bühnenbild, wir unsere Waldbühne immer wieder betreten und uns inspirieren lassen. Und gerade das macht es so spannend, wie ein Maler, der vor einer leeren Leinwand steht und auf seinen ersten Pinselstrich wartet. Es ist das Herzblut, das den Auslöser gibt, den Komponisten sein Lied zu schreiben, den Regisseur seinen Film zu drehen und den Schriftsteller sein Buch zu schreiben – und den Naturpädagogen, seine Brücke zur Natur zu bauen.

Inspiration bekommt man dort wo Menschen ähnliches machen. Inspiration sucht man nicht, man findet sie. Wir von der Infothek Waldkinder geben mit unserer Arbeit Inspiration und Impulse weiter, damit dein Kunstwerk – in Form einer Brücke - zu einer spannenden Begegnung wird.

Fotos Nadja Hillgruber

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