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Es gibt Highlights aus den Waldbriefen und viel Neues aus der Welt der Naturpädagogik , die darauf warten von euch gelesen zu werden. Dafür gibt es ab sofort unseren Blog.

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«Ich habe meine Neugier auf etwas Neues verloren!»

Wie geht das denn? Etwas verlieren, was man nicht anfassen kann? Doch das geht! Wie wäre es einmal mit einem Besuch im Fundbüro, dort werden die Dinge abgegeben. Wie? Wir nehmen euch auf den Arm – nein, sicher nicht! Dieses Fundbüro gibt es, es ist ein besonderes und heisst «Fundbüro 2» , steht am Werdmühleplatz im Kreis 1, also mitten in Zürich. Einmal im Monat hat es geöffnet, das nächste Mal am 6. Juli, abends. Euer Handy, Handtasche oder Schlüssel werdet ihr dort sicher nicht finden. Es ist nämlich ein Fundbüro für nicht-materielle Dinge. Ein magischer Ort für Fantasien, Erlebnisse und Herzenswünsche, die es für kein Geld der Welt gibt.

Die Neugier erzählt...

Was liegen dort wohl für Dinge sortiert und durchnummeriert in Regalen? Was wurde abgegeben? Die Neugier, die Geduld und die Lockerheit? Oder ist es die Langsamkeit, das Durchatmen, die Spontanität, die Gelassenheit und die liebe Zeit? Es ist bestimmt ein jämmerlicher Anblick, in sich zusammengefallen, verwelkt, zusammengerollt und reichlich verkümmert und bedrückt liegen sie da. Jeden Tag kommen neue Dinge hinzu, die die Frau dort im Fundbüro gewissenhaft notiert und dazulegt.

Die Neugier kann es gar nicht glauben, «Man hat MICH verloren!» Es gibt doch nichts Schöneres als jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Mit den Augen eines Kindes, ein wacher Blick, der immer auf der Suche ist, den Geist mit frischen und lebendigen Dingen zu füttern. Dabei braucht es gar nicht viel, man kann sie überall entdecken. Aber die Neugier weiss schon, warum ihre Eigentümerin sie verloren hat, sie sagt bedauernd: «Sie, der ich gehört habe, hat sich nur noch im Hamsterrad gedreht und in der 137. Runde bin ich rausgefallen, sie hat es gar nicht bemerkt. Wirklich gestört hat es sie auch nicht. Es wurde ihr wohl zu anstrengend ständig Neues zu entdecken. Ach, ich glaube aber, es geht ihr nicht wirklich gut. Sie kann es nur nicht zugeben.»

Verlorenes wiedergefunden...

Es werden auch Dinge abgegeben, auf die man verzichten kann, deren Verlust nicht bedauerlich ist. Die Dinge liegen gut verschlossen in Schubladen, wie die Angst vor der Dunkelheit, der Groll über Vergangenes, die überfütterte Wut und der besitzlose Neid. Die möchte keiner wiederhaben. Das ist auch gut so!

Es gibt auch Menschen, denen das Fundbüro geholfen hat. Sie haben etwas wiedergefunden! Ihnen ist ein Licht aufgegangen! Sie haben die zündende Idee gefunden! Dort kann auch erzählt werden, wie man längst verlorenes wiedergefunden hat. Wieder die Lust, einmal das in alle Ruhe zu tun, was man eigentlich am liebsten macht. Ist es die pure Lust in der Natur zu sein? Wer das gefunden hat, der gibt das nicht mehr her. Dem ist klargeworden, welchen kostbaren Schatz er wiedergefunden hat.

Was habe ich verloren und gefunden?

Ich bin auch schon länger auf der Suche nach der Verbindlichkeit. Irgendwo zwischen dem letzten Wort in einem anregenden Gespräch ging sie verloren. Die Sätze, Worte und Buchstaben purzelten über die Zeit einfach weiter, aber die Verbindlichkeit war einfach weg.

Hat schon jemand die Selbstwirksamkeit wiedergefunden? Sie ist einfach gegangen ohne sich zu verabschieden. Einfach so! Aber das geht doch nicht, wir brauchen sie ganz dringend. Wie kann man lernen, sich wieder etwas zuzutrauen? Aus der Überzeugung heraus, neue oder schwierige Anforderungen souverän bewältigen zu können. Eine Fähigkeit, die darauf beruht durchlebte Erfahrungen gemacht zu haben und an sich zu glauben, wie man das in der Kindheit erfährt und erlebt hat. Von anderen angenommen, gesehen und wertgeschätzt zu sein – oder eben nicht. Verabschiedet hat sich die Selbstwirksamkeit zu dem Zeitpunkt, als mein Lieblingsmensch zum fremdbestimmten Objekt gemacht wurde und sich nicht mehr als Subjekt mit einem eigenen Werten und Einstellungen angenommen gefühlt hat. Als ein Objekt von Interessen und Absichten, von Erwartungen und Bewertungen, von Massstäben und Anordnungen behandelt zu werden. Ich fange wohl erst mal an bei den Erfahrungen zu suchen. Ich hoffe, ich begegne dann auch wieder der Selbstwirksamkeit, damit sie zu meinem Lieblingsmenschen zurückkehrt. Die Ermutigung durch mich im Sinne von "Ich weiss, dass du das kannst!"

Ich habe auch ganz viel wiedergefunden Bereitschaft, Leidenschaft, Einsatz und viel Herz. Ja, sie müssen gut gepflegt werden, nicht dass die Dinge wieder verloren gehen.

 

Die Idee mit dem Fundbüro finde ich sehr anregend. Was habe ich verloren? Was fehlt mir? Was habe ich gefunden? Ein Besuch lohnt sich. Die Macher von «Fundbüro 2» erinnern mich daran, wie gut es tut, über Fragen, die offenbleiben und die Angst etwas zu verlieren. Auch über das Gute, das ich erlebt habe. Ein offenes Ohr und Zeit, in Ruhe miteinander zu reden. Oft wird einem klar, was man vorher noch nicht sehen konnte. Wem der Weg ins «Fundbüro 2» zu weit ist, kann sich auch sein eigenes Fundbüro gestalten. Ich weiss, dass ein Baum ein sehr guter Zuhörer ist. Das Wasser gern die Gedanken mitnimmt und weiterträgt, die man loslassen möchte. Die Flammen des Feuers inspirierendes zu erzählen haben, wenn man auf der Suche ist. Eine starke Windböe einmal einem gehörig frischen Wind durch den Kopf bläst, wenn der mal wieder völlig überlastet und schwer überhängend ist. Wenn er nicht weiss, was er mit all den Gedanken anfangen soll.


Fotos/Text  Nadja Hillgruber

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